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【日常更新】上外2013年德汉互译真题(德译汉部分)

Deutschme德语联盟 2020-09-16 14:27:25

Ich warte am Scheideweg zwischen Obernsee und Unternsee, keine zwanzig Meter hinter dem Schultor. An dieser Stelle ragte ein Stein aus dem Boden, ein Findling, die glatte Oberfläche eines großen Felsbrockens. Der Stein besaß in der Mitte eine ausgeprägte Vertiefung in Form eines Hutes. Man erzählte sich, dass diese Vertiefung von einem Fußtritt des Teufels herstamme, der dort aus Wut auf den Boden gestampft habe, weil die Bauern in der Nähe eine Kirche gebaut hätten, vor urdenklichen Zeiten. Auf diesen Felsen setzte ich mich und vertrieb mir die Zeit, indem ich eine Pfütze Regenwassers, die sich in der Teufelskuhle angesammelt hatte, mit dem Finger herausschnippte. Die Sonne schien mir warm auf den Rücken, der Himmel war immer noch ungetrübt wasserblau, ich saß und wartete und schnippte und dachte an nichts und fühlte mich unbeschreiblich wohl in meiner Haut.

Dann, endlich, kamen die Mädchen. Erst ein ganzer Schwall, der an mir vorüber rannte, und dann, als allerletzte, sie. Ich stand auf. Sie lief auf mich zu, die dunklen Haare wippten, die Spange an der Stirnsträhne tanzte auf und ab, sie hatte ein zitronengelbes Kleid an, ich streckte ihr die Hand entgegen, die blieb vor mir stehen, so nah wie damals in der Pause, ich wolte nach ihrer Hand greifen, ich wollte sie an mich ziehen, am liebsten hätte ich sie gleich umarmt und mitten ins Gesicht geküsst, sie sagte: „Du! Hast du auf mich gewartet?“

„Ja“, sagte ich.

„Du! Ich geh heut doch nicht mir dir. Die Freundin von meiner Mutter ist krank, und meine Mutter geht nicht zu ihr, und meine Mutter hat gesagt, dass ... “

Und es folgte ein längerer Wust von Erklärungen, den ich gar nicht mehr richtig hörte, geschweige denn behalten hätte, denn mir wurde auf einmal so merkwürdig, taub im Kopf und wackelig, auf den Beinen, und das einzige, woran ich mich noch erinnere, ist, dass sie sich nach Beendigung ihrer Rede ganz plötzlich umdrehte und in Richtung Obernsee zitronengelb davonlief, ganz schnell, damit sie die anderen Mädchen noch einholte.

Ich ging den Schulberg hinunter nach Hause. Ich muss wohl sehr langsam gegangen sein, denn als ich den Waldrand erreicht hatte und wie mechanisch hinüberschaute zum weit entfernten Weg nach Obernsee, da war dort niemand zu sehen. Ich blieb stehen, drehte mich um und warf einen Blick zurück auf die gewellte Hügellinie des Schulbergs, woher ich gekommen war. Die Sonne lag satt auf den Wiesen, nicht der Schatten eines Winds fiel auf die Gräser. Die Landschaft war wie erstarrt.

Und dann sah ich ein Pünktchen, das sich bewegte. Ein Pünktchen, ganz links am Waldrand, das in stetiger Bewegung nach rechts wanderte, am Waldrand entlang, den Schulberg hinauf und oben, genau der Kammlinie folgend, quer hinüber nach Süden. Vor der Hintergrundbläue des Himmels zeichnete es sich nun, ameisenklein zwar, aber deutlich als ein Mensch ab, der dort oben ging, und ich erkannte die drei Beine des Herrn Schmidt. Regelmäßig wie ein Uhrwerk, in winzigkleinen sekundenschnellen Schrittchen liefen die Beine vorwärts, und das ferne Pünktchen rückte - langsam und shnell zugleich wie der große Zeiger einer Uhr - quer  über den Horizont.


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